Dienstag, 3. April 2001

Eine kurze Geschichte über das Denken

Hallo, liebe Freunde,

vorweg, ich habe wirklich nichts gegen Nepalis, aber, wie ihr sicher merkt, habe ich auch nichts besonderes mehr fuer sie. das ist nicht boese gemeint, aber es ist einfach so, dass man, je laenger man hier ist, die eigenarten der hiesigen bevoelkerung nicht mehr und mehr lieb gewinnt, sondern dass man mehr und mehr schwierigkeiten hat, nicht aus der haut zu fahren. was am anfang meines aufenthaltes liebenswuerdig war, wird immer mehr nervig. das liegt natuerlich daran, dass man seine eigene kultur hat, weltoffenheit hin oder her, man kann nicht aus seiner haut, zum anderen, dass ich mir immer noch einbilde, es gaebe sowas wie eine allgemeingueltige wahrheit ueber das "gut und schlecht, richtig und falsch"..... und dieses regulativ sollte die vernunft oder die logik sein, zumindest bei der logik kann man davon ausgehen, dass diese weltgueltigkeit hat. anwendung hingegen findet diese natuerlich nur bei menschen, die in der lage sind, diese in ihrem gehirn auch umzusetzen. genau da liegt der hase im pfeffer! vergesst alles, wirklich alles, was ihr von zu hause an potentiellen verhaltensmuster anderer leute gelernt habt. hier trifft das alles nicht zu! es trifft nicht mal annaeherungsweise zu. was hier zutrifft, ist in deutschland nicht moeglich und auch nicht denkbar, jedenfalls nicht unter geschoepfen, denen die biologen wissenschaftlich bewiesener massen ein funktionsfaehiges gehirn konstatieren.
heute habe ich wieder drei dieser stories erlebt, aber ich schreibe sie nicht! weil sie jeden tag passieren. aber da ist eine story von einem meiner kollegen, die ich hier wiedergeben moechte. diese story ist wahr, weder wurde etwas hinzugefuegt, noch etwas weggelassen. es gibt (leider nicht in meinem besitz und nicht digitalisiert) beweissphotos dazu, ferner haben mehrere unabhaengig voneinander agierende personen den wahrheitsgehalt dieser geschichte bestaetigt. falls jemand nach dem lesen dieser geschichte noch interesse hat, mehr davon zu erfahren, so kann das geliefert werden, jeden tag 2 bis 3 davon, aber glaubt mir, euch wird es genauso gehen, wie mir....erst nicht glauben, dann realisieren, dann darueber wundern, irgendwann ignorieren und letztlich schaum vorm maul kriegen!

Los gehts:

Hier wird so gebaut, dass man immer erst ein stockwerk baut und wenn man geld hat, ein weiteres obendrauf hinzufuegt (besonders reiche und skrupellose haben es schon auf 7 stockwerke gebracht, weshalb nun 7 leute zu fuss laufen muessen...aber ich greife der story vor!) Mein kollege (deutscher), nennen wir ihn "Ernie", wohnte in so einem haus. der besitzer hatte bislang geld fuer das erdgeschoss. Ernie faehrt jeden tag mit dem fahrrad zur arbeit. da es in nepal keine fahrraeder zu kaufen gibt, hat er seines in deutschland gekauft und mit hergebracht, es war entsprechend selten, fuer hiesige verhaeltnisse teuer (also mehr als 10,-- DM wert) und somit recht begehrt. (dazu muss man wissen, dass fast alle nepalis maoistische grundzuege haben, nach dem motto, warum hat der und ich nicht....wieso geschieht diese ungerechtigkeit des nichtbesitzes mir und nicht ihm, dem schwein, der sowieso schon alles hat und der weiss ist und der...ach, was weiss ich alles....) .... ach so, ich sollte noch erlaeutern, wieso es in nepal keine fahrraeder gibt. erstens koennen die nepalis sowas technisch kompliziertes nicht selber bauen, zweitens importieren sie aus dem unter erstens genannten grund diese "fahrraeder" aus indien (hinduistisch, nennen wir sie von nun an: putscha) oder aus china (kommunistisch, nennen wir sie von nun an: volkswohl). Die Folge: die hinduraeder (putscha) sind nur dann benutzbar, wenn derjenige, der es benutzt glaubt, dass schicksal sei eh in shivas (damit ist jetzt nicht mein kollege gemeint, sondern der hindu-gott) hand und wenn der will, dass ich jetzt sterbe, dann tue ich das eben. dass die wahrscheinlichkeit, auf einer putscha zu sterben, sobald man es benutzt, sehr gross ist, interessiert in dem zusammenhang ja gar nicht, weil ja shiva auch der auffassung sein koennte, dass es eben noch nicht zeit ist, zu sterben, da kann man das putscha ja in diesem falle jahrelang benutzen. man stelle sich vor, man haette ein putscha und wuerde es nicht benutzen, weil man eigentlich sowas nicht benutzen kann und shiva waere der meinung, mann solle 100 jahre alt werden. dann haette man 100 jahre ein putscha besessen, ohne es benutzt zu haben, obwohl man es haette sorglos benutzen koennen!!!! das geht nicht. und wenn shiva meint, man solle einfach auf der putscha sterben, weil das eine ehre ist, dann tut man das sowieso, ob man nun eine hat oder nicht. naja und die andere sorte sind die volkswohl. auf denen wird das schicksal nicht von shiva bestimmt, sondern vom wohl des volkes (weshalb sie diesen namen haben). was heisst, dass da nicht goettliches mitmischt bei der frage, ob man es ueberlebt oder nicht, sondern das volk. und dieses ist ja nun moeglicherweise auch auf dem volkswohl im verkehr unterwegs...dann gehts noch, aber wenn das volk auf einer putscha unterwegs ist und man selbst nur auf einem volkswohl, dann wird es haarig, weil ja bei den vielen putschas shiva lenkt und das hat nichts mit vorhersehbar zu tun, damit ist das eigene wohl auf einem volkswohl von der putscha shivas abhaengig, was i.d.r. toetlich ist. Also gut: es gibt also keine fahrraeder und damit zurueck zur geschichte:

ernie hat sein real existierendes fahrrad also auf dem dach des von ihm bewohnten hauses deponiert, damit es denn nicht entschwaende an leute, die bisher nur putschas oder volkswohl besessen haben. nicht nur dies: er kettete dieses, sein, fahrrad an einen betonpfeiler, der sich mit seinen weiteren 16 bruedern auf dem dach des hauses befand (eine erklaerung dafuer, warum auf den daechern nepalischer haeuser derart viele betonpfeiler stehen habe ich nicht....es ist einfach so....allerdings ist es eine sehr faszinierende geschichte, zu erfahren, wie diese ganzen pfeiler auf die daecher der haeuser kommen, aber dazu spaeter). da stand es gut, sollte man meinen. haette ernie aber bemerkt, dass seine vermieter fett wurden, haette dies ihn stutzig machen muessen und er haette sein fahrrad von seinem, ihm angestammten platz, entfernen muessen. warum? naja, der vermieter wurde fett, weil er geld hatte. nachdem mein kollege naemlich seit geraumer zeit in dem anfangs genannten haus wohnte und miete bezahlte, wurde der besitzer nicht nur zunehmend fetter, auch seine frau tat dies. das ist ein untruegliches zeichen nicht nur fuer einkehrenden wohlstand, sondern dafuer, dass die mietzahlung von ernie eindeutig zu hoch waren. nun denn, es war so. der vermieter entschied sich also, da er nicht mehr fressen konnte, als er tat, sein uebrschuessiges geld in die aufstockung seine hauses zu investieren, also dem vorhandenen stochwerk ein weiteres oben hinzuzufuegen. ungluecklicherweise kam diese entscheidung urploetzlich. es war nicht geplant, er hatte vorher nicht darueber nachgedacht und auch nichts diesbezueglich organisiert, einfach gesagt, er hatte nichts getan, aus dem ernie haette schliessen koennen, dass sein vermieter etwas derartiges vor hatte. der vermieter selbst konnte aus seinem eigenen verhalten derartiges auch nicht schliessen, aber das ist hier normal. jedenfalls befand sich ernie in heimaturlaub in bottrop, als seinem vermieter die goettliche eingebung des aufstockens kam. dann ging alles ganz schnell. baukolonne anruecken, 10 waende um die 17 betonpfeiler ziehen, dach draufbetonieren....alles war eins. fertig. als man die ereignisse versuchte nachzuvollziehen, die zu der katastrophe fuehrten, konnte man aus zeugenaussagen nur rekonstruieren, dass der vermieter dem bauunternehmer (uff, das wort passt nicht, aber egal, gemeint ist jedenfalls der, der am telefon unter der nummer sass, die der vermieter anrief, um ein stockwerk errichten zu lassen) gesagt hatte, er solle ein weiteres stockwerk auf dem vorhandenen errichten. dieser mensch wiederum sagte seinen arbeitern (naja, also den menschen...nein....also den nepalis, die irgendwie dazu verdammt waren, dem gesagten taten folgen lassen zu muessen) dass diese 5 mauern zu mauern haetten, diese mauern sich von betonpfeiler zu betonpfeiler erstrecken sollten und das darueber ein dach gehoerte, welches zu betonieren waere. da man hier das tut, was einem gesagt wird, geschah es genauso. Als ernie aus bottrop zurueck war und sein fahrrad vom dach holen wollte, um damit zur arbeit zu fahren, fand er dieses eingemauert in zwei raeumen des neuen stockwerkes wieder. die eine haelfte in der neuen kueche, die andere im klo des stockwerkes. zwischen beiden haelften die trennende wand. die "arbeiter" hatten sehr sehr viel muehe aufgewendet, die ziegel, mit denen sie mauerten, so zurechtzuklopfen, dass der rahmen des fahrrades auch exakt von diesen ziegeln eingeschlossen wurde, ohne ihn zu beschaedigen, allerdings hatte man, um das wasserrohr (steigleitung) durch das Ritzel des fahrrades zu bekommen, diese leitung einige male knicken muessen, um um das ritzel herumzukommen, was zur folge hatte, dass das wasser in der steigleitung nicht steigen konnte, das klo kein wasser hatte und der vermieter deshalb ernie zwingen wollte, den schaden zu beheben.

Ende