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Mittwoch, 28. März 2001
Geschichte:
über meinen Kollegen oder "Vollendungshemmung" oder auch
eine andere Geschichte zum Thema "Hasenfuß"
Teil I
Niedergelegt ist das
Schicksal von Lutz
Name: Shiva, wie der Gott,
aber das ist Zufall Stand: Brahmane, was sonst Familie: ja, Ehefrau, Kinder,
keine, aber das wundert mich auch nicht, warum? Werdet ihr sehen!
Shiva war schon als Kind anders,
als andere Menschen auf der Welt, aber genauso, wie alle real existierenden
Nepalis, was bedeutet, daß Nepalis nichts mit anderen Menschen dieser
Welt zu tun haben.
Eigentlich weiß ich nicht,
wessen Produkt er ist. Ich meine, natürlich weiß ich, wer seine
Eltern sind. Aber ist er ein Produkt der Liebe, eines des Zufalls oder
eines des Irrtums, was wahrscheinlich wäre? Da fängt die Schwierigkeit
doch schon an. Ich meine, wenn man schon mal gar nicht weiß, unter
welchem Vorzeichen er auf die Welt kam, was soll da aus ihm werden, so
ohne wirkliche Bestimmung. Er kam also auf die Welt, irgendwo, und war
einfach da. Die Welt sollte sehen, was mit ihm anzustellen sein würde.
Würde er zur Unterhaltung seiner Umwelt ausreichen, wenigstens zu
seiner eigenen genügen?
Typisch für ihn war, daß
er nicht normal auf die Welt kam. Er paßte nicht durch Das, wo alle
Anderen (außerhalb von Nepal) durchpassen. Dabei war er damals nicht
einmal zu dick dafür. Er hat es einfach nicht getan, kein Mensch
weiß bis heute, warum. Ich schon: Als er dran war, was nicht er
entschied, sondern was einfach so von selbst eintrat, zögerte er
das erste Mal, es zu vollbringen. Die 9 Monate zuvor reichten ihm aus,
warum nun auch noch es vollenden zu wollen? Er hörte auf, geboren
zu werden, kurz bevor es zu ende war. Man mußte Gewalt anwenden,
man bedeutet also andere Leute vollendeten für ihn (Einer nicht geprüften
Meldung nach kommen alle Nepalis durch Kaiserschnitt zu Welt, welcher
von Ausländern vorgenommen wird, was die Sachen eben nicht einfacher
macht.). Damit ist klar, daß diese Anderen auch keine Nepalis sein
konnten. Ich wette, daß es keine Nepalischen Geburtshelfer gibt!
Kann nicht sein, weil ihr Job darin bestünde, etwas zu vollenden.
Er zerstörte also die
Hoffnung seiner Mutter auf eine leichte Geburt (Das einzige, was Nepalis
wirklich besitzen, ist Hoffnung. Auf was, ist bis heute unklar, aber da
es, wie gesagt, das Einzige ist, wird die Tragik dieser Vorganges klar,
oder?). Nicht, daß er es ihr nicht gegönnt hätte, es schmerzlos
hinter sich zu bringen, ich weiß auch nicht, aber er wußte
wohl, daß das der Anfang war, der Anfang von seinem Leben (und er
hatte nicht den Ehrgeiz, der erste Nepali zu sein, der etwas anfing).
Nicht, daß er einen Anfang gewollt hätte, Nepalis haben nämlich
nicht nur eine Vollendungshemmung, sondern auch eine "Anfangshemmung".
So zerstörte er einen Teil dieser Welt, den (evtl.) schönen
Bauch seiner Mutter (...eher unwahrscheinlich, aber egal), schon bevor
er überhaupt da war. Typischerweise hat sie nie damit angefangen,
es ihm übel zu nehmen (!). Diese Handlung blieb ohne Folgen für
ihn (was in Nepal durchaus erwünscht ist und der Grund dafür,
niemals etwas anzufangen oder zu beenden (Reduziert die Wahrscheinlichkeit,
daß es Folgen haben könnte unwahrscheinlich), außer,
daß er einen schönen runden Kopf hatte, ein hübsches Kind
war. Als er seine Kollegen sah (ich meine Ausländer, wie mich), alle
durch das Loch gequält und mit Eierkopf, wußte er, daß
er für sich selber richtig hatte handeln lassen. (Daß er später
trotzdem einen Eierkopf bekam, ist eine andere Geschichte). Es war einfach,
geholt zu werden, er war relaxt (nepali: aram) und schön (nepalische
Definition). Es gab keinen Grund für ihn, übellaunig zu sein,
was zur Folge hatte, daß ihn seine Mutter bis heute für ein
ausgeglichenes und freundliches Kind hält. Sein erster Trick.
Daß er überhaupt
hier ist, ist schon etwas, was ihn von Milliarden anderer Nepalis unterscheidet,
die nicht hier sind. Nepalis leiden nämlich unter der beschriebenen
Vollendungshemmung, heißt, sobald etwas den Anschein erwecken könnte,
kurz vor dem Abschluß zu stehen, hört man auf damit. Das ist
der Grund, warum es nur die wirklichen Ausnahmeerscheinungen dieses Volkes
überhaupt geschafft haben, auf die Welt zu kommen, heißt: die
Geburt zu vollenden (etwa 22 Millionen), die anderen schätzungsweise
7,4 Milliarden Nepalis hatten Hemmung vor der Vollendung und sind daher
in Folge dessen eben gar nicht erst hier.
150cm lang, etwa genauso breit,
das ist das Maß für einen schlechten nepalischen Teppich und
für Shiva. Allerdings wiegt der Teppich keine 100kg, aber er ist
ja auch billiger, als Shiva. Also, ein wie oben beschriebener Mensch ist
mein Kollege, d.h. ich verbringe mit ihm jeden Tag 8 Stunden. Das schreibt
sich so leicht dahin, aber was das wirklich heißt, ist für
einen denkenden Menschen (also einen aus Europa) wirklich nicht vorstellbar.
Shiva fährt mit dem letzten der ursprünglich 4 von meinem Vorgänger
gekauften und ihm geschenkten Fahrräder zum Büro. Entschuldigung,
er fährt nicht...er schiebt zum Büro. Er fährt nicht, weil
er einen Platten hat (seit 4 Wochen) und die anderen Fahrräder hat
er im Laufe der letzten Monate verloren. (?). Interessant ist, daß
auf dem Gepäckträger dieses Fahrrades seine Frau befestigt wurde,
Minna. Im Gegensatz zu seinem Namen zu ihm, paßt ihr Name zu ihr
ausgezeichnet (man muß wissen, daß sie auch in unserem Büro
arbeitet....nein, besser: ihre Zeit totschlägt). Die wurde da nicht
befestigt, weil es kein weiteres Fahrrad gäbe (was der Fall wäre)
sondern weil sie nicht Fahrradfahren kann (Anfangshemmung, es zu lernen).
Shiva versuchte ihr, während ihrer Ehe nicht, es ihr beizubringen
(Anfangshemmung, es zu lehren), weil er wußte, daß er aufhören
würde, es ihr zu lehren, kurz bevor sie es hätte gekonnt (Vollendungshemmung),
deshalb, weil er einer der Schlauen ist, entschied er sich, gar nicht
erst damit zu starten (Anfangshemmung), was den selben Effekt hat, und
bequemer ist. Minna selbst hatte niemals die Idee, es selber lernen zu
wollen, weil sie wußte, daß sie aufhören würde,
bevor sie es wirklich konnte (Vollendungshemmung). Da jedoch der Lernprozeß,
wie man ein Fahrrad zu führen hätte, aufgrund der Einfachheit
dieses Vorganges so kurz ist, daß Gefahr bestand, es zu können,
bevor man sich hätte kurz vor Ende entscheiden können, damit
aufzuhören, versuchte sie es nicht nur nicht, sondern wagte nicht
einmal daran zu denken, so sehr Angst hatte sie, es womöglich doch
irgendwann zu können. Ja, wie gesagt, Kinder haben sie in ihren 8
Jahren Ehe auch nicht. Das liegt zum einen an der besagten Vollendungshemmung
(man kann sich das in Praxis leicht bildlich vorstellen, ohne sich dabei
ein herzhaftes Schmunzeln verkneifen zu müssen - hoffen wir mal für
ihr Hormonleben, daß es nicht sogar die Anfangshemmung war, die
Schuld an ihrer Kinderlosigkeit trägt), zum anderen daran, daß
das nicht vorhandene Kind eines der 7,4 Mrd. anderen Nepalis ist.
Nunja, aufgrund der Anfangshemmung
und auch aufgrund der Vollendungshemmung ist es grundsätzlich die
Frage, wie konnte er (Shiva) zu einem erwachsenen Menschen werden, sich
also vom Kind zum Erwachsenen entwickeln? In dieser Frage stecken gleich
mehrere Fehler. Erstens hat nicht er sich entwickelt, was aktiv wäre,
sondern die Natur hat das von selber getan, zweitens: er hat sich überhaupt
nicht entwickelt! Drittens ist Shiva von einem Erwachsenen in der Tat
Lichtjahre entfernt. Körperlich ist er in der Tat gewachsen, nun
fragt man sich, wie aus einem 3 kg schweren Säugling ein 100kg schwerer
Nepali entstehen konnte, ohne das eben dieser auch nur angefangen wäre,
etwas dazu beizutragen. Dazu muß man wissen, daß Shiva (wie
alle anderen Nepalis auch) dieses ausschließlich durch die Zunahme
von Nahrungsmitteln erreichte. Als solches ist das jetzt nicht weiter
erstaunlich. Aber: Mit der Nahrungsmittelzunahme (eigentlich steckt auch
hier wieder ein logischer Fehler: Zunahme ist aktiv, Dahlbat essen hat
aber eigentlich nichts mit essen zu tun außerdem handelt es sich
bei Dahlbat nicht um ein Nahrungsmittel) fing er weder an (Anfangshemmung)
noch hörte er bis dato auf, was seine Körperfülle erklärt
(Vollendungshemmung). Angefangen hat sein e Mutter, die demzufolge keine
Nepali sein kann, ihn zu füttern. Seitdem ist das eben so mit dem
Essen (auch falsch, wer jemals einen Nepali gesehen hat, der Dinge in
sich rein fallen läßt, von denen er meint, sie seien eßbar,
weiß, daß Essen etwas ganz anderes ist und rein nichts mit
diesem besagten Vorgang zu tun hat.) Ja, also aktiv ist das nicht, weil
der Schlund von Shiva physikalisch da ist, wo auch Dahlbat ist, was heißt,
es ist keine Distanz zwischen Dahlbat und Schlund, die aktiv zu überwinden
wäre. Das Herunterrutschen in der Speiseröhre erfolgt von allein
aufgrund des vegetativen Nervensystems. Das ist der nächste Punkt,
auf den einzugehen sich lohnt: Das vegetative Nervensystem von Shiva.
Ich sollte darauf eingehen, weil es das einzige Nervensystem oder überhaupt
das einzige System im Leben von Shiva (und seinen 22 Mio. Kollegen) ist.
Wie wir wissen, ist das vegetative Nervensystem das einzige System der
Welt, welches nicht gesteuert werden muß und welches nicht gesteuert
werden kann. Deshalb haben Nepalis auch nur dieses eine System (man muß
nichts mit ihm tun, weil man nichts mit ihm tun kann, was einen dafür
entschuldigt, daß man sowieso nichts mit ihm tut). Alles in diesem
Lande geschieht also nach den Gesetzten dieses Systems, was komische Auswirkungen
hat. Während ein normales System (z.B. das Nervensystem oder das
politische System oder das Organisationssystem...oder, was auch immer.......übrigens
gibt es das Wort System im Nepalischen Wörterbuch nicht, wen wundert´s?)
nach bestimmten Gesetzen durch Die im System Handelnden bestimmt wird,
ist das im vegetativen System oder nennen wir es ab jetzt: Nepali- System
(=NS) ganz anders. Es gibt keine Gesetze, es gibt eigentlich kein System
und es gibt schon gar keine Handelnden und bestimmt wird sowieso nichts.
Alles wird von Anderen funktioniert, man ist Teil davon und überhaupt
so schrecklich abhängig von allem. Wenn der Mond im vierten Quadranten
des Solarsystems am 3. Tag des Monats nicht zufällig durch den Jupiter
verdeckt wird, kann man nicht aufs Klo, was zur Folge hat, daß man
nicht Dahlbat zu sich nehmen kann (ich versuche streng, das Wort "essen"
zu vermeiden, wie ihr merkt), weshalb man hungrig ins Bett getragen wird,
weshalb der Magen knurrt (vegetativ), man deshalb nicht in den Schlaf
fällt, was zur Folge hat, daß man morgens müde ist und
nicht zu dem erscheinen kann, was Nepali "Arbeit" und ich "Nichts"
nenne.
Ende Teil 1
Vorschau
auf Teil 2: Es wird geklärt, was es mit dem Hasenfuß auf sich
hat und wir werden erfahren, warum es nicht stimmt, daß alle Bananen
dieser Welt deshalb krumm sind, weil sie im Hamburger Hafen gebogen werden
- weit gefehlt!
Ende
Gruß
Lutz
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