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Mittwoch, 11. Oktober 2000 - ...
neulich wollte ich zum friseur!
(Die meisten der "kleinen
Bilder" kann man mit einem Mausklick vergrößen.)
Man hat ja so seine
menschlichen beduerfnisse....auch in nepal! und nachdem ich ja eigentlich
mittlerweile so aussehe:

und mittlerweile seit
diesem haarschnitt (wurde in deutschland angefertigt, 3 monate zuvor)
doch einiges passiert ist..

.(so ungefaehr muss
man sich das, auf mich uebertragen vorstellen) heisst, ich habe oefters
kopfschmerzen nun, weil meine nackenmuskulatur ueberstrapaziert ist, sagt
der orthopaede (netter Mann!!), dass wiederum liege daran, dass mein kopf
zu schwer waere ... naja...ich also zum friseur!
Ob der sich mit rastas
auskennt? der hat sich, als ich ankam ueberhaupt nicht fuer mich interessiert....hat
mich ignoriert und 4 stunden warten lassen! also, ich fand das
gut, weil ... nach der geschichte mit dem schneider...ich dachte, endlich
mal ein mensch, der nicht nett ist....muss sein handwerk beherrschen....dachte
ich. Tee gabs keinen (gut!)....zunaechstmal nicht...jedenfalls nicht zum
trinken, was man aber mit Tee noch alles machen kann, ausser trinken,
erfuhr ich bald...!
Also, vorweggeschickt...wie
war das noch in deutschland, wenn man zum friseur geht...was will man
da eigentlich? jedenfalls schwallte mich der mensch in dem friseurladen
(irgendwie bringe ich es nicht fertig, ihn "friseur" zu nennen, nenn ich
ihn also einfach mal "mensch in dem friseurladen") richtig zu. ...er erzaehlte
mir, was er nun so mit mir alles zu tun gedaechte.....da war ich an einem
punkt angelangt, wo mir zwei dinge auffielen, erstens wusste ich nicht
mehr, wo ich war und was ich eigentlich wollte, (ich wusste noch, dass
ich eigentlich zum friseur wollte aber warum, wusste ich nicht mehr) und
zweitens fiel mir auf, dass die letzten vier stunden in denen ich auf
die aufmerksamkeit des menschen in dem friseursalon wartete, dort ausser
mir nur ein alter glatzkoepfiger (!) mann sass. haette ich doch
besser aufgepasst, was ein mensch in einem friseursaloon vier stunden
mit einem glatzkopf anstellen kann, statt zu traeumen, ich idiot (schieben
wir das meiner unerfahrenheit in solchen dingen zu)
ja, also er sprach
newar (das ist eine art von kommunikationsmittel, welches mit sprache
wenig zu tun hat, jedenfalls mit keiner mir gelaeufigen) und mir schwante
boeses und sagte daher vorbeugend, sehr laut und gestikulierend "hoina,
hoina, hoina", "chaina, chaina, chaina" sowie "hunna, hunna, hunna"!!!
Das ist nepali und heisst: "es ist nicht, es ist nicht, es ist nicht",
"es ist nicht, es ist nicht, es ist nicht" sowie "es ist nicht,
es ist nicht, es ist nicht"! Anmerkung: die nepali haben kein wort
fuer "nein" dafuer aber drei verschiedene varianten fuer "es ist nicht"
(s.o.). diese drei benutze ich alle!!!
naja, was soll ich
sagen...jedenfalls hat er mich trotzdem irgendwie missverstanden oder
er hat gar nicht zugehoert, vielleicht war er auch taub....
nun, es war lang und
billig! 40 Rupies (1,20 DM) und ... 2,5 Stunden! Was habe ich fuer mein
Geld bekommen? (Im Friseursaloon lief gute Musik "Knocking on Heavens
Door" von Eric Clapton...erst hinterher fiel mir auf, dass mich das haette
stutzigmachen muessen.) Zu allererst ereilte mich aber die unumstoessliche
Erkenntnis: niemals wieder zu einem menschen in einem friseursaloon zu
gehen...dass das klar ist: ich nie wieder!
zweitens hatte ich
zum ersten mal in meinem leben eine 25cm lange und nicht minder dicke
Drahtschere in meinem rechten Nasenflügel...das kam so..erstens
schneiden die menschen in den friseursaloons hier grundsaetzlich mit drahtscheren
die haare, es gibt zwar haarscheren, die werden aber wohl zum schneiden
von draht benutzt (man erinnere sich an die schrauben und den hammer und
so...) und drittens glotzte mich dieser mensch in dem friseursaloon 20
Minuten aus einer entfernung von 2-3cm an...dabei enddeckte er wohl ein
nasenhaar....gottseidenk trage ich im linken nasenfluegel grundsaetzlich
keine haare, gefaellt mir nicht....aber rechts....habe ich nun auch keine
mehr!
dafuer ist meine nase
jetzt etwas unsymmetrisch, nicht wegen der haare, sondern wegen der groesse
des rechten nasenlochs nach dieser "einschneidenden" operation.
ja und rasiert wurde
ich!! Ich war zwar frisch rasiert, als ich kam, aber natuerlich
habe ich meinen bartwuchs zu hause nicht 20min aus 2 cm entfernung betrachtet,
da sind die nepalis gruendlich, muss man sagen! Der mensch war zumindest
so dezent, mir nicht meine diversen Nasenpopel vorzuhalten, die er mit
Sicherheit genau gezaehlt hat!
Rasiert wird hier
mit Sensen...Rasiermesser benutzt man zum schneiden von Reispflanzen (kein
Witz!, deshalb muessen sich die Leute so tief buecken...). Dazu wird erstmal
die Durchblutung angeregt (hatte ich gar nicht mehr noetig zu diesem Zeitpunkt,
wirklich nicht!) Das geschieht in der regel durch heftiges klopfen mit
den faeusten auf die schaedeldecke (jetzt weiss ich, welchen beruf der
mensch in dem friseursaloon hatte, bevor es ihn durch widrige umstaende
in den saloon verschlug: Schlachtergehilfe), nach 1 Stunde klopfen
war ich durchblutet genug und bereit fuer die sense. Da der Mensch in
dem Friseursaloon nicht einfach nur nichts schneiden wollte, nachdem er
so ausgiebige Durchblutungsuebungen vollzogen hatte (ich war, wie gesagt
rasiert) entschied er sich spontan, mich stattdessen zu haeuten.
gegen das blut benutzte
er..na...was wohl? mullbinden? Pflaster? ....-Tee!!
Ob der schmeckte, weiss ich heute nicht mehr, jedenfalls gehen die gruenroten
flecken nicht mehr aus meinem hemd und der hose. Der Saloon, in dem Menschen
anderen versuchen, die haare zu schneiden, war jedenfalls am naechsten
tag wieder fast sauber, habe mich aber nicht getraut, den schlachtergehilfen
nach dem geheimrezept gegen die flecken zu fragen.
solong fürs erst wieder,
neue geschichten passieren, jeden tag, also bis morgen, euer Lutz und
Verena
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