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Dienstag, 3. Oktober 2000
Namaste all' Ihr Lieben,
so, nun kommt der erste Bericht
doch frueher als gedacht ! Lutz war heute naemlich fleissig !!
Nunja, hier nun mein erster
Reisebericht:
Meinen Weg nach Nepal brach
ich als Adviser auf, Beratung sollte es werden...naja, was darunter zu
verstehen ist, fange ich jetzt langsam an zu verstehen, man muss wissen,
dass ich erst den 4. Tag arbeite! Die 6 Monate davor waren reines Training!!
Zunaechst gabe es folgende Seminare und Workshops:
- Interkulturelles Training:
...dort wurde vermittelt, wie Asiaten (es war nicht Nepal-spezifisch,
da der DED etwa 20 Leute in 8 verschiedene asiatische Länder entsendet)
denken, fuehlen, was ihnen wichtig ist und was nicht, und vor allem,
was man beachten und wissen muss, um mit ihnen Geschaefte zu machen,
mit ihnen arbeiten und vor allem in Verhandlungen erfolgreich sein zu
koennen.
- Facilitator-Workshop: Was
ist ein Facilitator und wie macht man das ueberhaupt, dem angeschlossen
gab es eine
- Mediatorenausbildung (grundsaetzlich
und auf asiatische Verhaeltnisse spezifiziert)
- Teambildung und Führungsseminare
- Gender-Training: Ich muss
zugeben, von Gender vorher nichts gewusst zu haben. Gender ist die geschlechtsspezifische
Rollenverteilung in einer Gesellschaft. Wer macht was warum, wer denkt
wie und warum, wie sind die Abhaengigkeiten etc..
- Seminar zur Existenzgruendung
und income-generation (bezogen auf Entwicklungslaender)
- Sprachausbildung (insgesamt
6 Wochen)
- CEFE-Training (competency
based economie through formation of neterprise):
- Workshop "Monitoring and
Evaluation"
- Seminar "Consultancy"
- Family-Stay: Ja, das war
die haerteste Zeit bislang. Ich wurde 3 Wochen lang mitten in der Pampa
(mehrere Stunden Kombination aus Bus und zu Fuß bis zur naechsten menschlichen
Siedlung!!) in einem winzigen Dorf in den Bergen abgesetzt und dort
in einer Brahmanenfamilie einquartiert. Ziel war, sozusagen als Schocktherapie,
schnellstmoeglich in die Kultur des Landes einzusteigen....es ist gelungen!
Naeheres dazu gibts spaeter von Verena (mein Bericht vom Family-stay
kommt erst nach unserem Kurzurlaub !!)
Naja, dass waren also meine
ersten 6 Monate. Ueberraschenderweise war das o.g. alles durchweg auf
hohem Niveau, es hat mir insgesamt viel gebracht.
Nun bin ich an meinem Arbeitsplatz
in Barathpur in Chitwan-Distrikt angelangt und nun geht es darum, alles
Gelernte anzuwenden. Es ist schon ein komisches Gefuehl, man muss sich
vorstellen, dass es da einen Industrieverband gibt, der eigentlich eine
sehr wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes spielen koennte
und muesste (Die Rolle eines Verbandes in Nepal ist nicht vergleichbar
mit der Rolle unserer Industrieverbaende in Deutschland. Die Unternehmer
hier sind zum Teil kaum mit betriebswirtschaftlichem Wissen gesegnet)
und "duempelt" so vor sich hin. Alles wartet auf den "bideshi" (Fremden
= ich) der es schon richten wird! Naja, die ersten Tage habe ich mich
mit Bilanzanalyse beschaeftigt. Dabei habe ich die reine Pagatorik betrachtet,
d.h. die Zahlungsstroeme. Ich hielt dass fuer notwendig, um zunaechst
zu sehen, unter welchen Bedingungen der Verband handlungsfaehig war und
ist. Die Leute hier guckten mich ziemlich schief von der Seite an, weil
sie, glaube ich, nicht verstehen, was ich da so treibe und warum der bideshi
sich 4 Tage ueber Zahlen hockt....ich nerve meine Kollegen damit, weil
natuerlich alles verfuegbare Material auf Nepali ist!!! ...und die Wirtschaftspruefer,
die die Bilanzen fuer den Verband gemacht haben, hatten mit Sicherheit
keinerlei System bei ihrer Arbeit (grauenvoll!!)...so ist es also notwendig,
dass man mir uebersetzt (vieles zumindest)...
Verena's erste Arbeitstage:
Mit der Location hatte ich nun wirklich Glueck. Meine Organisation liegt
schoen im Gruenen und hat ein richtiges eigenes Buerogebaeude -... und
ich hab' sogar einen eigenen Schreibtisch mit Stuhl (ist nicht unbedingt
ueblich hier, was wir bisher von Kollegen so gehoert haben!). Gestern
fand das erste Meeting statt. Ich mitten drin -naja, war ja auch ein wenig
mir zu Ehren....Einige der 80 Mitglieder der Organisation und die gesamte
Belegschaft aus dem Buero (10) waren anwesend. Nun gings los mit der Vorstellungsrunde.
Alle stellten sich mit Namen, Arbeitsplatz, Beruf und Hobbies vor - der
Abstand zwischen den Vortragenden und mir wurde immer kleiner....ich wurde
sichtlich nervoeser, denn ich sollte meine Vorstellung natuerlich auch
auf Nepali machen...zu guter Letzt hab' ich jedoch geschafft und ich war
stolz, dass mich anscheinend alle verstanden haben. Danach gaben zwei
noch ein Lied und ein Gedicht zum Besten und zum Schluss haben wir alle
Ringelreihen getanzt und dabei ein nepalesisches Volkslied gesungen. Heute
Dienstag, 3. Oktober: ................. (?) tja, was soll ich nun schreiben
?? Ich kam um 10 Uhr - keiner war da !!! Die ersten meiner Kollegen kamen
um 11 Uhr. Dann sassen wir im Garten und haben gequatscht bis 1/2 4 Uhr.
Dann war genug mit arbeiten fuer heute - morgen ist ja schliesslich Feiertag
bzw. ab morgen sind 10 Feiertage !!!
Es folgen einige e-mails, die
nichts anderes sein sollen, als Impressionen aus einere fremden Kultur.
Das Geschriebene ist nicht strukturiert und genuegt auch keinen wissenschaftlichen
Erkenntnissen. Die Berichte, von denen dies der erste ist, sind weder
chronologisch, noch nach Autor geordnet. Schoen waere es gewesen, die
Bilder an der richtigen Stelle in den Text zu integrieren, aber leider
laesst sich dass dann nicht mehr verschicken (die Datei wird zu gross).
Verenas Ausfuehrungen werden als solche zu erkennen sein.
Die erste Feststellung, die
ich hinsichtlich der nepalischen Art zu leben machen musste, war die,
dass Nepalis nicht zwischen Arbeits- und Privatleben trennen. Es gibt
zwar eine offizielle Arbeitszeit (Sonntag bis Freitag 10.00 bis 17.00
Uhr, also dann, wenn es unertraeglich heiss ist), aber diese gilt nur
fuer Behoerden und die Menschen, die im Buero arbeiten. Alle anderen,
und dass sind die meissten, arbeiten eigentlich immer. Die Geschaefte
sind zwischen 06.00 und 07.00 Uhr morgens auf und schliessen gegen 20.00
Uhr wieder..an sieben Tagen die Woche. Nun ist es aber so, dass Nepalis
sich im allgemeinen nicht lange auf eine Arbeit konzentrieren koennen.
Ich habe noch keinen gesehen, der laenger als 5 Minuten an etwas gearbeitet
haette!! Ferner haben die Nepalis in ihrer Freizeit Langeweile. Das liegt
wiederum daran, dass sie, wie o.g. waehrend der Arbeitszeit ihre privaten
Dinge erledigen (einkaufen, Freunde besuchen etc.). So bleibt fuer die
Freizeit nichts uebrig. Man muss sich also daran gewoehnen, morgens um
06.00 Uhr schon geschaeftlich angerufen zu werden mit der Bitte, man moege
sofort kommen, weil Dringendes anstehe (sowas kann auch zu spaeter Stunde
am Abend und am einzigen freien Tag der Woche, Samstags, passieren), wenn
man dann allerdings im Buero eintrifft, muss man haeufig feststellen,
dass es eigentlich nichts Dringendes gibt und dass das, was es gibt, erstens
entweder grundsaetzlich unwichtig ist oder aber gut und gerne bis morgen
oder uebermorgen Zeit gehabt haette.
In der Tat moechte ich schon
heute behaupten, dass das, was ein Nepali an einem Tag erledigt, fuer
uns in 10 Minuten zu erledigen waere. Entsprechend schwer faellt es, als
Advisor "seine" Kunden in Schwung zu bringen, d.h. zum arbeiten. So etwas
wie Aktivitaeten-Checklisten sind hier weitestgehend unbekannt. Management-Systeme
um die Arbeit zu strukturieren, zu planen und effektiv umsetzen zu koennen,
sind mir hier noch nicht begegnet. Man arbeitet so aus dem Gefuehl heraus
an dem, wozu man gerade Lust hat. Wenn man es freundlich ausdruecken will:
Intuitiver Arbeitsstil. Freestyle-management in Neudeutsch oder, um es
auf den Punkt zu bringen, chaotisch.
Nun bin ich ja fuer den Bereich
Business-Promotion hier in Nepal. Aus diesem Grunde habe ich bislang etwa
30 Unternehmen der unterschiedlichsten Groesse und Art im ganzen Land
besichtigt und mit den Eigentuemern geredet. Alle klagen, es gehe ihnen
so schlecht, sie verdienten kein Geld. Und alle haben die gleiche und
ganz einfache Loesung: Export!! Ja, wenn man doch nur exportieren koennte,
dann kaeme das Geld von selber. Daraufhin bat ich die Geschaeftsleute
mir zu zeigen, was sie denn zu exportieren gedaechten! .breiten wir das
Tuch des Schweigens drueber...Den Vogel hat ein Kleinunternehmer in Palpa
in der Stadt Tansen abgeschossen. Der hat seinen traditionellen Handwerksbetrieb
(er stellte Metallschraenke fuer den lokalen Markt her, und das gar nicht
schlecht) aufgegeben hat, um sich der Produktion von Exportguetern zu
widmen (sein Zielmarkt ist Europa). Er produziert nun Puppenhaeuser aus
Strohhalmen, die Lampen sein sollen. Im Basement leuchtet es gruen, im
1. Stockwerk dieser Puppenhaeuschen leuchtet es rot (!) und die Veranda
strahlt in gelb.
Tja. Dieses Beispiel verdeutlicht
ein grosses Problem in Nepal. Man macht einfach mal so aus dem Bauch heraus,
ohne sich vorher die Muehe zu machen und zu recherchieren, ob das, was
man zu tun gedenkt, Sinn macht. Von Marktanalyse etc. pp. rede ich da
ja noch gar nicht.
Zweitens ist festzustellen,
dass das Wort Diensleistung ein unbekanntes ist. Jeder zweite Nepalese
ist zwar irgendwie Geschaeftsmann, aber auch hier ist festzustellen, dass
das Einzige was stoert, der Kunde ist. Man sagt Deutschland ja schon nach,
es sei Dienstleistungsfeindlich. Wir wissen aber wenigstens, was Dienstleistung
sein sollte!
Wenn Du zum Schneider gehst,
um Dir Vorhaenge machen zu lassen, dann ist dass schon mal eine schlechte
Idee. Geh zum Schneider, wenn Du eine nette Unterhaltung zum Zeitvertreib
suchst und wenn Du Lust auf Nepali-Tee hast oder gerade kein Geld fuer
eine Cola. Wenn Du deshalb zum Schneider gehst, wirst Du Dein Ziel erreichen
und gluecklich wieder gehen. In dem Fall aber, dass Du Vorhaenge brauchst,
bist Du eigentlich schon ziemlich zu bedauern. Um es vorwegzunehmen, es
gibt keine Vorhaenge beim Baecker und es gibt sie auch nicht beim Kolonialwarenhaendler..die
Wahrscheinlichkeit, Vorhaenge zu bekommen ist also beim Schneider tatsaechlich
am groessten. Gute Deutsche, wie wir sind, haben wir also, als wir feststellten,
Vorhaenge zu benoetigen, erstmal die notwendige Fensterbreite und Hoehe
ausgemessen und festgestellt, wieviel Gardinen wir von welchem Mass anfertigen
lassen sollten. Eigentlich sind ja die Fenster in unserem nagelneuen Haus
(Erstbezug) alle gleich gross. Eigentlich...in der Realitaet sind dann
da aber doch so 20cm Differenz, egal. Jedenfalls hatten wir dann 8 verschiedene
Groessen beieinander. Mit diesem umfangreichen theoretischen Hintergrundwissen
sind wir zum groessten und besten Schneider der Stadt gegangen. Erstmal
gab´s Tee. Die Leute waren freundlich und der Chef bediente uns persoenlich.
Man redete.irgendwann kam man auf das Thema Vorhaenge zu sprechen. Der
Chef holte einen grossen Bogen Papier und zeichnete das von uns Benoetigte
akribisch auf, so mit cm-Massen hoch und runter, mit Stueckzahl und alles
so im Detail. Nach 3 Stunden waren unsere paar Gardinen bestellt. Es sollte
in 2 Stunden (!!!) fertig sein. Nun. 2 Stunden spaeter kamen wir hin,
um sie abzuholen. Es gab Tee, man unterhielt sich nett und irgendwann
kam man wieder auf das Thema Vorhaenge zu sprechen. Natuerlich war nicht
dran zu denken, dass diese tatsaechlich fertig sind, also morgen.. Am
naechsten Tag gingen wir beim Schneider fruehstuecken. Der Tee dort ist
wirklich lecker. Die Gardinen waren fertig. Sie waren alle gleich gross:
110cm breit, wie unsere Fenster (s.o.).
Am naechsten Tag beim Schneider,
diesmal gab es Cola, unterhielten wir uns recht nett. Ich machte ihm klar,
dass die Gardinen nicht recht waeren, da sie nicht passen wuerden. Warum,
wollte er wissen. Weil die Gardinen alle gleich gross waeren, unsere Fenster
aber nicht, er wisse das, sagte ich, er habe so schoene Zeichnungen mit
den verschiedenen Groessen angefertigt. Ja, die Zeichnungen seinen schoen,
er habe dass gelernt. Wir betrachteten die Zeichnungen und redeten eine
Weile, er kann wirklich schoen zeichnen. Spaeter kamen wir auf das Thema
Gardinen zu sprechen und die Groessen..s.o.. Er erklaerte mir, dass der
Soff auf Bahnen a 110cm laege und dass deshalb alle Gardienen 110cm breit
waeren. So, ja. Aber wir braeuchten doch 3 a 55cm, 1 a 60cm, 4 a 70cm
und 8 a 100cm! Ja, aber dann .also. wir muessten ja nach laufendem Meter
bezahlen und dass zaehlt runterzu und nicht querzu.und wenn er die Gardinen
abschneidet, dann wuerden wir ja fuer weniger Geld Gardinen bekommen,
als wir bezahlt haetten..wir redeten eine Werile und tranken Tee. Der
Tag verging wie im Fluge und am naechsten Morgen sollte es fertig sein.
Abends war es das. Alle Gardienen waren nun 80cm breit. Das ist sowas
wie das arithmetische Mittel! Er kann nicht nur zeichnen, sondern auch
rechnen, vom kochen des leckeren Tees abgesehen! Wenn er noch schneidern
koennte und das Wort Dienstleistung verstehen wuerde, waere das vielleicht
der Beginn einer wunderbaren Freundschaft geworden.
Verena zum Thema Vorhaenge:
Ist wirklich ein netter Kerl der Schneider....aber: das mit den Massen
hat mich schon ein wenig auf die Palme gebracht - Thema: Verena's aesthetisches
Empfinden bzgl. Wohnungseinrichtung !! (muss nicht naeher ausgefuehrt
werden, oder ??)
Nun haengen sie also, unsere
neuen Gardinen. Siehst irgendwie komisch aus, aber es geht, auf jeden
Fall besser als vorher. Unser Haus ist sowieso das einzige mit Gardinen.
Ja, das ist auch sowas.unser Haus. Das schoenste und neueste in der ganzen
Stadt. Gerade fertig (in der nepalischen Bedeutung des Wortes) geworden.
Es ist jetzt unser Haus. Man braucht eine Weile, das zu realisieren. Vor
allem deshalb, weil es immer voller Leute ist. Ganze Heerschaaren von
Menschen jeglicher Herkunft und jeglichen Alters, alle Berufsgruppen und
ethnischen Minderheiten sind vertreten. Was die in unserem Haus wollen?
Ich weiss es nicht, wirklich! Wie die reinkommen? Keine Ahnung, es kommen
ja auch Moskitos durch Moskitonetz!
Eigentlich bezahlen wir einen
Watchman, der passt auf alles auf, dass keiner reinkommt und so, ein lieber
Kerl und sehr bemueht, Keinen reinzulassen, vor allem nicht uns. Er schliesst
immer saemtliche Tueren und Tore zu mit so grossen Vorhaengeschloessern
aus chinesischer Produktion. Da hat nur er den Schluessel, aus Sicherheitsgruende
(Nepalis sind total aengstliche Menschen, muss man wissen, die haben Angst
vor Allem, und wenn es dunkel wird, besonders vor Geistern). Naja, aber
ich hab ja mein schweizer Taschenmesser mit, da ist ein Flaschenoeffner
dran, und der geht ganz prima fuer das Schloss. Als man mitbekam, dass
uns die vielen Fremden in unserer Wohnung doch etwas suspekt sind, vor
allem ob des watchmans und seiner vielen Schloesser, beschloss unser Landlord
(Vermieter) unser Haus muesse noch besser gesichert werden als bislang.
Er heuerte eine Kompanie Soldaten oder sowas an, die einen schweren Eisenriegel,
der ueber die gesamte Tuerbreite geht, anmontieren sollten. Vor kurzem
klingelte es also und 6 Mann jeglichen Alters und der verschiedensten
Herkunft und unterschiedlichsten beruflichen Qualifikation (?) standen
vor unserer Tuer, um besagten Riegel zu montieren. Ich dabei anwesend,
weil neugierig. Auf der Aussenseite unserer schweren Holztuer ist davor
noch eine leichte Tuer mit Moskitonetz drin. Wir vermieden geradenoch,
diese Moskitonetztuer mit einem Meissel herauszuschlagen, weil der Riegel
ja sowieso idealerweise an der Innenseite der Tuer zu befestigen waere,
meinte ich. Es haette zwar Vorteile, den Riegel außen anzubringen, dann
haetten aber wahrscheinlich die ethnischen Gruppen in unserem Haus keine
Chance mehr, herauszukommen! Allerdings käme dann aber Jeder rein! Da
ursprünglich aber das Gegenteil davon beabsichtigt gewesen waere, stimmte
mir die Kompanie einstimmig zu, den Riegel doch lieber innen zu befestigen.
"Wohl an, Kappen", sagte ich, "nun sei es!" Was nun war, war zunaechst
mal Rast. Nach dieser Rast, der Tee war nicht so lecker, wie der beim
Schneider, ging es ans Werk. 4 Mann hielten den Eisenriegel freihaendig
an die Innenseite der Tuer. Passt! Nun beklopfte einer den Riegel mit
einem Hammer und einer Schraube ! Naegel sind hier bekannt, dazu benutzt
man aber keinen Hammer sondern einen Schraubendreher, fuer die Schrauben,
wie gesagt, wird zu Zwecken der Befestigung ein Hammer benutzt. Jedenfalls
klopfte dieser Mensch, etwa 14 Jahre alt, die Schraube rein. Unsere Waende
sind aus Stahlbeton und die Schrauben sind aus Indien! Das ist grundsaetzlich
keine erfreuliche Kombination, weil nicht die Waende weich und die Schrauben
hart sind, sondern umgedreht! So kam es, dass die Schraube, kaum war sie
halb reingedroschen, anfingt, krumm zu werden. Der Junge versuchte, sie
mit dem Hammer wieder gerade zu klopfen. Da das damit endete, dass er
die Wand zerdrosch, liess sich ein Senior, etwa 75 Jahre alt, den Hammer
und dazu einen Meissel (!!????) geben. Ich stand, etwas unruhig werdend,
daneben. Gerade in Begriff, in die Kueche zu gehen und mir einen Baldriantee
zu kochen, aber, so dachte ich, das Senioritaetsprinzip greift auch in
Nepal! Der Alte wird's schon richten, qua seiner Erfahrung. Diese Ueberlegung
stellte sich als falsch heraus (wie sich ueberhaupt fast alles als falsch
herausstellt, was man so an vermeindlichem Wissen aus Deutschland mitzubringen
glaubt). Der Alte hatte offensichtlich nicht die Chance, 75 Jahre lang
zu lernen, wie man eine Schraube in die Wand dreht, nein, er war offensichtlich
gezwungen worden, 75 Jahre lang, weiche Schrauben in harte Waende zu schlagen.
Er meisselte also die Schraube in der mitte auseinander!
Auf diesen Schock brauchten
wir einen Tee. Danach beschloss die Kompanie, es auf gleiche Weise nochmal
zu probieren. Da man bereits ein Loch hatte, dieses aber durch eine abgemeisselte
Schraube belegt war, setzte man den Riegel nun weiter links, naeher zu
Wand, an. Der Knabe drosch die Schraube und ich ueberlegte, selbiges mit
dem Knaben zu tun! Ich bin im Besitze eines Akkuschraubers der Marke Bosch.
Ebenfalls habe ich mir Originalschrauben der Marke "Spax" auf Ratschlag
eines guten Freundes mit nach Nepal genommen. Es waere also ein Leichtes
fuer mich gewesen, die notwendigen 2 Schrauben in 1er Minute sauber in
die Wand zu drehen....aber ein guter Entwicklungshelfer tut sowas nicht,
er wuerde damit die Wuerde und Kompetenz der Einheimischen in frage stellen!
Also es ging weiter, mittlerweile hatten die 6 Mann 40 Minuten benoetigt.
Diese Schraube nun, wurde,
als sie etwa zur Haelfte in der Wand war, - schief! Nun wurde beratschlagt!
Der Alte wurde gerufen und versuchte wieder, mit dem Meissel die Schraube
geradezubiegen. Es gelang! Die Schraube war drin! Ein Herr mittleren Alters,
mutmasslich indischer Herkunft, der bislang den schweren Eisenriegel hielt....das
war notwendig, weil ja noch kein Befestigungspunkt in der Wand fixiert
war, konnte nun erleichter den Riegel loslassen. Er schwang entsprechend
seinem Gewicht in erheblicher Geschwindigkeit nach unten, blieb auf der
Haelfte der berechneten Laufbahn stehen! Man hatte den Riegel zu nah an
der Wand montiert... er bleib mit dem Teil, der links dem Hebelpunkt lag,
an der Wand haengen. riss ein Loch hinein und verhinderte, dass man die
Tuer oeffnen konnte!!....hier mache ich einen Schnitt in die Geschichte
und steige etwa 2 Stunden spaeter wieder ein. Es sind also nun ca. 3,5
Stunden vergangen. Man hatte den Riegel nun, inclusive des gegenseitigen
Haltepunktes in die Wand gedroschen. Der Riegel stand, die Wand weniger.
Der Riegel wird von uns nicht
benutzt. Der Grund? Der Riegel ist aus schwerem Eisen, weil er ja sichern
soll, leider ist er an seinem Haltepunkt mit einem duennen Drahstift befestigt,
so dass er, sobald man ihn anfasst, von selbst herunterfaellt...uebrigens
laesst sich die Tuer immer noch nicht oeffenen, weil der Wiederhaken des
Riegels ein entsprechnedes Loch in der gegenueberliegenden Wand erfordert,
sobald der Riegel heruntergelassen wird. Dieses Loch hat man auch in die
Wand geschlagen, allerdings an der spiegelverkehrten Seite...alles klar?
So leben wir hier mit all' den kleinen und grossen Hindernissen nach dem
Motto "Shit happens" und "Keep cool" !!...und haben unseren Spass dabei
!!
Fortsetzung folgt. Neue Bilder
(keine Angst Alex + Olli ihr kriegt aus besagten Gruenden keine!!) folgen
auch erst nach unserem Kurzurlaub, da wir erst wieder welche machen muessen
! Und unsere Wohnung ist zur Zeit auch noch im Nepali-Style (chaotisch),
d.h. wir bekommen unsere letzten Moebel erst nach den Feiertagen.
Verena und Lutz, im Oktober
2000
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