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Montag, 20. November 2000
[Hallo Guenter, sorry, aber
ich war zwei Wochen in Kathmandu, man hat mich da in diverse Gremien gewaehlt...warum
auch immer...ich ziehe die Arbeit an, wie Scheisse die Fliegen. Zu versoehnung
habe ich dir ein Nordindisches Totem-Tantra mitgebracht...und der Tee
ist auch unterwegs zu Dir.]
Mein bester Freund öffnete
die Kommodenschublade seiner Ehefrau und holte ein in Seidenpapier verpacktes
Päckchen heraus. Es ist nicht irgendein Päckchen, sondern ein Päckchen
mit Unterwäsche darin. Er warf das Papier weg und betrachtete die Seide
und die Spitze. "Dies kaufte ich als wir zum ersten Mal in New York waren.
Das ist jetzt 8 oder 9 Jahre her. Sie trug es nie. Sie wollte es für eine
besondere Gelegenheit aufbewahren. Und jetzt, glaube ich, ist der richtige
Moment gekommen." Er näherte sich dem Bett und legte die Unterwäsche zu
den anderen Sachen, die von dem Bestattungsinstitut mitgenommen wurden.
Seine Frau war gestorben. Als er sich zu mir umdrehte, sagte er: "Bewahr
nichts fur einen besonderen Anlass auf; jeder Tag den du lebst, ist ein
besonderer Anlass."
Ich denke immer noch an diese
Worte.... . Sie haben mein Leben verändert.
Heute lese ich viel mehr als
früher und putze weniger. Ich setze mich auf meine Terrasse und genieße
die Landschaft ohne auf das Unkraut im Garten zu achten. Ich verbringe
mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden und weniger Zeit bei
der Arbeit. Ich habe begriffen, daß das Leben eine Sammlung von Erfahrungen
ist, die es zu schätzen gilt. Von jetzt an bewahre ich nichts mehr auf.
Ich benutze täglich meine Kristallgläser.
Wenn mir danach ist, trage ich meine neue Jacke, um in den Supermarkt
zu gehen. Auch meine Lieblingsdüfte trage ich dann auf, wenn ich Lust
darauf habe, anstatt sie für festtage aufzuheben. Sätze, wie z.B. 'Eines
Tages...' oder 'An einem dieserTage...' sind dabei, aus meinem Vokabular
verbannt zu werden. Wenn es sich lohnt, will ich die Dinge hier und jetzt
sehen, hören und machen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was die Frau meines
Freundes gemacht hätte, wenn sie gewusst hätte, daß sie morgen nicht mehr
sein wird (ein 'Morgen', das wir oft zu leicht nehmen). Ich glaube, daß
sie noch ihre Familie und engen Freunde angerufen hätte. Vielleicht hätte
sie auch ein paar alte Freunde angerufen, um sich zu versöhnen oder sich
für alte Streitigkeiten zu entschuldigen. Der Gedanke, daß sie vielleicht
noch chinesisch essen gegangen wäre (ihre Lieblingsküche), gefällt mir
sehr. Es sind diese kleinen unerledigten Dinge, die mich sehr stören würden,
wenn ich wüsste, daß meine Tage gezählt sind.
Genervt wäre ich auch, gewisse
Freunde nicht mehr gesehen zu haben, mit denen ich mich 'an einem dieser
Tage' in Verbindung hätte setzen sollen. Genervt, nicht die Briefe geschrieben
zu haben, die ich 'an einem dieser Tage' schreiben wollte. Genervt, meinen
Nächsten nicht oft genug gesagt zu haben, wie sehr ich sie liebe. Jetzt
verpasse, verschiebe und bewahre ich nichts mehr, was uns Freude und Lächeln
in unser Leben bringen könnte.
Ich sage mir, daß jeder Tag
etwas Besonderes ist.... jeder Tag, jede Minute ist etwas Besonderes.
Erhältst du diese Botschaft, dann gibt es jemanden, der dir Gutes will
und du deinerseits Leute hast, die dir teuer sind. Bist du aber zu beschäftigt,
dir ein paar Minuten zu nehmen, um diese Botschaft an andere zu verschicken
und du dir sagst: an einem dieser Tage...morgen ist lange hin .... vielleicht
wirst du es nie tun....
Jaja, so weise wird man in
Nepal! Anbei noch einige Bilder der letzten Tage: aber vorsichtig, es
sind Bilder aus Pashupatinat, eine der heiligsten Staette der Hindus,
hier werden die Toten verbrannt, die Bilder sind evtl. nur etwas fuer
unerschrockene...auf dem letzten Bild kann man die Fuesse kokeln sehen!!



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