Freitag, 22. Dezember 2000

Kambotscha und Nepal sind das Gleiche

Hallo Günter,

anbei ein Bericht von Freunden aus Kambodscha, wie ma sieht, die Welt ist hier überall gleich!
Frohe Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr

ciao Lutz

So long!

Hat zwar bißchen länger gedauert, aber da bin ich wieder. Wir sind jetzt Anfang Oktober in unser Haus eingezogen und haben uns nach anfänglichen Schwierigkeiten gut eingelebt. Die ersten Nächte schlief ich allein im Haus, weil Alex von Kampot aus ihre Hochwasseraktionen durchführte. Am ersten Abend ist mir dann gleich das erste Mißgeschick passiert. Wir haben auf unserer Terrasse einen 1000 L Wassertank für Küche und Bad. Diesen Tank habe ich tagsüber auffüllen lassen und bin abends dann nach Kisten und Tonne auspacken total fertig in die Dusche und drehte auf. Beim Aufdrehen allerdings bemerkte ich, daß der Duschhahn in der Wand etwas locker sitzt. Also Ihr müßt euch das so vorstellen - ich nackt unter der Dusche, schau warum der Hahn so locker ist - und hab ihn auch schon in der Hand. Ein schöner Wasserstrahl von 1m kam aus der Wand. Ich also probiert den Hahn wieder in die Wand zu bekommen, aber da hier alles mit Plastikrohren verlegt wird, war das Gewinde schnell im Eimer. Tja, was tun? Am Tank haben die Schlaumeier ja keinen Haupthahn installiert. Derweilen schießt das Wasser nur so aus der Wand. Ich also Putzzeug geholt und mit 1000 L Wasser das Bad geputzt - nackig. Ich hab direkt selber lachen müssen. Am nächsten Tag gleich zum Vermieter gerannt und ihm die Sachlage erklärt. Der hat mich nur ganz ungläubig angekuckt - ich glaube er hat gemeint ich habe den Hahn mit Gewalt rausgerissen. Ich hatte so eine Handbewegung bei meiner Erklärung gemacht. Auf jeden Fall hat er mir dann auch noch den Haupthahn am Tank eingebaut. Abgesehen davon mußte ich mich erstmal an die neuen Geräusche im Haus gewöhnen. Wir haben ja das Obergeschoß aus Holz und das arbeitet. Und von draußen hörst du die Dschungelgeräuschen aus dem Garten. War ganz komisch - noch dazu allein. Vor allem nacht´s war es ungewohnt. Da wir ja nur Strom bis um 22h haben, ist Klogehen mit Taschenlampe angesagt. Aber nach zwei Nächten ging´s und außerdem haben wir jetzt einen eigenen Generator.

Alex kam dann nach einigen Tagen nach. Wir sind dann noch mal zusammen nach Kampot gefahren um noch ein paar Sachen und das Motorrad zu holen. Ich bin dann mit unserem Bus um 14.30h schon mal losgefahren, weil Alex mit dem Motorrad sowieso schneller ist. Ich war also um 15.30h in unserem Haus und Alex kam nicht. Um 16h habe ich mir schon richtig Sorgen gemacht.

Ich suchte mir immer so 15 Minuten Aufgaben im Haus, aber sie kam nicht. Mir schossen alle möglichen Geschichten im Kopf rum. Unfall gebaut, schon in irgendein ein Healthcenter gebracht, im Koma, keiner weiß wo sie ist - echt ätzend. Um 17.30h fängt es an dunkel zu werden und ich bin Richtung Kampot zurückgefahren. Mit einem Affenzahn und immer mit Blick auf beide Straßenseiten, ob irgendwo Alex oder das Motorrad sehe. Nichts. Ich kommen total verzweifelt in Kampot im DED- Guesthouse an und wer sitzt da auf dem Balkon - Alex. Ja was ist los frage ich und finde den Motorradschlüssel im Auto. O.K. alles in Butter dachte ich. Da erzählt mir Alex, daß Mark (Freund und Kollege) mittlerweile nach Chouk gefahren ist um bei uns zu übernachten und mir die Sache mit dem Schlüssel zu erzählen. Außerdem muß sie noch mal in Kampot schlafen, weil sie am nächsten Tag noch mal zu den überfluteten Dörfern fahren. Na toll. Also wieder zurück nach Kampot und nach einer großen Enduro Ausschau halten. Mittlerweile war es ja schon dunkel und in der Nacht Autofahrern ist nicht ohne. Du fährst und hast auf einmal einen Ochskarren vor dir oder einen Radfahrer oder eine Horde Fußgänger die natürlich alle Rücklichter und reflektierende Kleider anhaben. Naja, ich komme also zu unserem Haus und kein Mark da. In Chouk waren auch schon alle "Restaurants" geschlossen.

Ich fragte unseren damaligen Nachtwächter ob Mark hiergewesen wäre. Knjom od yoll. Ich verstehe nicht war die Antwort. Da sah ich einen Zettel an unserem Hoftor. Hi Olli, bin in Chouk beim Essen. Ich also wieder zur Dorfmitte - und da hat es ein paar kleine Essensstände und da stand auch ein großes Motorrad. Tja, sowas kann passieren, wenn man kein Telefonnetz hat. Richtig unattraktiv! Aber angeblich soll heuer noch das Netz über Chouk gehen, aber ich glaube das wird erst nächstes Jahr was. We will see.

Eines Tages kam dann Alex noch mit Kollegen von der Überflutungen zurück und drückt mir ein Bündel in die Hand und sagt ich soll ganz vorsichtig sein. Huch, das Bündel bewegt sich und zum Vorschein kam eine Maus, Ratte? Nein, eine jämmerlich aussehende Katze. Wir haben sie erstmal gebadet und gut gefüttert. Inzwischen ist Mrs. Bantemias ( das ist ihr Name und der Ort wo sie herkommt) wohlauf und erfreut sich bester Gesundheit. Nur ein Auge ist wahrscheinlich blind, aber so wie die teilweise rumspringt kann ich das gar nicht glauben.

Die nächsten Wochen habe ich damit verbracht unser Haus auf Vordermann zu bringen. Der Elektriker in unserem Haus hat nämlich nur auf einer Seite vom Haus Strom verlegt. Also habe ich halt noch die andere Seite versorgen müssen. Ich habe Regale montiert und Türen gestrichen. Was man halt so macht wenn man neu einzieht. Es sind viele kleine Kleinigkeiten, die man gar nicht aufzählen kann. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß die groben Sachen hier ganz gut funktionieren, aber wenn es dann an´s feine oder genaue geht - ohje. Bestes Beispiel unser Auto. Wir waren in Phnom Penh und haben eine von unseren Schrauben für die Motoraufhängung verloren. Nichts schlimmes, dachte ich. Die Motoraufhängung ist bei unserm Bus unter dem Auto und ist eigentlich nur ein Querträger der viermal festgeschraubt ist. Ich also in die Werkstatt zeige dem Mechaniker die Sache. Der schaut nur kurz drunter und sagt 30$. Ich - Wie bitte - er soll mal bei der Schraube da kucken. Ach ja, 5$. O.K. halbe Stunde. Gut wir warten. Es ging los, daß er die passende Schraube nicht hatte. Also einen losgeschickt. Der kam wieder mit der falschen. Also noch mal probiert und noch mal losgeschickt. Kam wieder mit den falschen Schrauben. Mittlerweile war schon eine Stunde vorbei und Alex kam immer besser drauf. Noch mal einen losgeschickt. Der kam dann mit drei Schrauben und zwei Gewindebohrern. Der Mechaniker machte mir klar, daß er die Schraube nicht herkriegt und deswegen ein neues Gewinde bohrt und die Sache hat sich. Die Sache hatte sich nicht, weil der eine Gewindebohrer zu klein und der anderer zu groß war. Und dann kam der Hammer. Nachdem er vergeblich versucht hatte den großen Gewindebohrer reinzudrehen, nahm er einen Hammer und versuchte nun den Bohrer reinzuhämmern. Auweh! Das kann nicht gutgehen. Ging´s auch nicht. Nach dem jetzt das ursprüngliche Gewinde total hinüber war, erklärte er mir, daß er eine kleinere Schraube nehmen muß und diese von oben kontern will. Dazu muß aber der Luftfilter raus und es kostet 10$. Ich mittlerweile auch schon auf dem Gipfel der Gefühle versicherte ihm, daß es erstens seine Schuld gewesen sei und wenn er jetzt 10$ will werde ich sofort fahren und nicht mehr wieder kommen. Ich nämlich schon zweimal bei ihm. O.K. 5$. Alex hat inzwischen schon Fotos abgeholt und Telefonkarte gekauft. Die ganze Aktion hat dann 3h gedauert. Da kannst mal wieder sehen, wie aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird.

Wir waren in der letzten Zeit auch viel unterwegs. Unter anderem auch wieder mal in Sihanouk Ville zum Baden, aber diesmal mit den Motorrädern. Ich find´s einfach klasse auf Holperwegen durch die Gegend zu düsen. Diese "Straße"geht wirklich bergauf und bergab. Schon fast unglaublich, daß hier Auto´s und LKW´s fahren. In Sihanouk haben wir dann noch ein paar Freunde getroffen und sind von da aus in den Nationalpark gefahren. Dort waren wir einen Tag mit dem Boot unterwegs. Es ist einfach immer wieder schön in fast unberührter Natur zu sein. Wir waren dann noch an menschenleeren Stränden und sind ein bißchen durch den Dschungel gewandert. Es war ein wunderschöner Tag mit vielen Eindrücken.

Ich habe zum Geburtstag ein Motorrad von meiner Süßen bekommen. Mit dem bin ich jetzt auch die ganze Zeit unterwegs und am Schrauben. Eigentlich wollten wir bei der "Angkor Dirt Bike Tours" mitfahren. Das ist eine organisierte Rallye mit Enduro´s, ca. 30 Teilnehmer und dauert 5 Tage einfach. Letztes Jahr hat der ganze Spaß ca. 130$ gekostet, aber heuer wollen sie zwischen 400 -500$ und das ist uns zu teuer. Also machen wir unsere eigene X-mas tour. Wir sind jetzt 6 Leute (vielleicht auch 8) und fahren von uns aus durch die Pampa in den Nationalpark Kirirom. Bei der jetzigen Route wissen wir nur, daß die letzte Brücke fehlt. Mal schauen was das für ein Trip wird. Es dauert ungefähr einen Tag bis wir da sind. Wir feiern dann Weihnachten in einem Nadelwald. Fast wie daheim, hi hi. Auf dem Programm stehen dann Wasserfälle und Wanderungen. Gestartet wird am 23.12 - bin ja mal gespannt. Ja da wir schon bei Weihnachten sind: Fröhliche Weihnachten und ´nen guten Rutsch!!!!

Grüße Olli

P.S. Wir haben jetzt auch noch zwei junge Hunde, Sammy und Tom. Aber davon erzähle ich euch das nächste mal, mit Bericht von unserer Tour.